Erst Zitterpartie, dann Aufstiegsparty

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Steinheim-Kleinbottwar: Die Handballerinnen der HG Steinheim-Kleinbottwar haben den direkten Wiederaufstieg in die Landesliga geschafft. Im Relegations-Rückspiel gegen die SG Degmarn-Oedheim gab es ein 16:15 (5:8).

Am Ende war doch alles so, wie es sich die Handballerinnen der HG Steinheim-Kleinbottwar und ihr Anhang vorgestellt hatten: Eine riesige Spielerinnentraube lag jubelnd auf dem Feld, die Sektkorken knallten und das obligatorische 'We Are the Champions' ertönte aus den Lautsprechern der Kleinbottwarer Bottwartalhalle. Nachdem die HG-Frauen bereits das Hinspiel der entscheidenden Relegationsrunde zum Aufstieg in die Landesliga bei der SG Degmarn-Oedheim mit 29:19 gewonnen hatten, setzte sich das Team des scheidenden Trainers Nils Koch im Rückspiel mit 16:15 (5:8) durch - kostete ihren Coach und die Fans zuvor allerdings einiges an Nerven.

Es dauerte geschlagene siebeneinhalb Minuten, bis Co-Trainerin Janine Klinger das erste Tor für die Gastgeberinnen erzielte. Bis dahin hatten sich die HG-Frauen schon mehr Fehlpässe und technische Fehler geleistet, als sie in der gesamten ersten Halbzeit Tore schießen sollten. Allerdings waren auch die Gäste nicht viel erfolgreicher, nach zehn Minuten stand es erst 1:3. Bereits jetzt war klar, dass die SG die Runde nicht über die mehr gewonnenen Auswärtstore für sich entscheiden würde. Somit mussten die Spielerinnen aus Degmarn also schon mit elf Toren Differenz gewinnen. Das war allerdings so ziemlich die einzige positive Erkenntnis aus der ersten Hälfte. 'Das waren vermutlich die schlechtesten 30 Minuten der gesamten Saison', fasst Nils Koch das Geschehen zusammen. 'Einzig unsere Torhüterinnen hatten Landesliga-Format.' Die erst 18-jährige Saskia Rittner hielt ihr Team mit mehreren starken Paraden im Spiel, ihre Kollegin Jessica Goebel entschärfte gleich drei Siebenmeter. Somit lag die HG zur Pause 'nur' mit 5:8 zurück.

Auch nach dem Wechsel wurde es zunächst nicht wirklich besser. Beim 6:12 nach 37 Minuten lag man bereits mit sechs Treffern hinten, es folgten aber immerhin rund sieben Minuten ohne Gegentor, die HG verkürzte auf 8:12. Doch eine Viertelstunde vor Schluss sah Janine Klinger die Rote Karte: 'Das war völlig überzogen. Wenn man das als Standard nimmt, dann hätte es heute acht- oder neunmal Rot geben müssen. In dieser Phase hat der Schiri einige Minuten wirklich alles gegen uns gepfiffen. Da habe ich dann doch kurzzeitig etwas Sorgen gehabt', räumte Nils Koch ein. Beim 9:14 (47.) waren es noch einmal fünf Tore Rückstand. 'Aber dann waren auf einmal fast alle Pfiffe für uns', schüttelte der HG-Coach den Kopf. 'Zudem hat in der zweiten Halbzeit zumindest die Einstellung gepasst. Das muss man den Spielerinnen bescheinigen.' Mit einer starken Jessica Goebel zwischen den Pfosten und deutlich mehr Bewegung im Angriff drehten die Gastgeberinnen die Partie noch. Miriana Attaguile sowie je zweimal Melanie Bauer und Bonja Brodatsch machten mit fünf Toren in Serie noch den 16:15-Endstand klar und leiteten damit die Aufstiegsparty ein.'Natürlich war das kein gutes Spiel. Aber letztlich sind wir aufgestiegen, da ist alles andere dann scheißegal', fand Nils Koch. Es war klar, dass wir die Superleistung von Degmarn nicht wiederholen können. Irgendwie hat sich doch jeder schon überlegt, wie wir feiern oder wer Getränke mitbringt. Natürlich sollte das nicht sein. Aber bei einem Zehn-Tore-Vorsprung lässt sich das nicht vermeiden', sagte Melanie Bauer. Janine Klinger merkte an, 'dass wir es einfach nicht schaffen, nach einem guten Spiel wie in Degmarn eine ähnliche Leistung dranzuhängen - insbesondere nicht vor eigenem Publikum und einigermaßen vollem Haus. Andererseits haben wir zum Abschluss einer nicht berauschenden Saison die letzten fünf Spiele in Serie gewonnen. Das zeigt ja, dass wir es können.' Und mit diesem guten Gefühl ging es dann in eine lange Partynacht.

HG Steinheim-Kleinbottwar: Rittner, Goebel - Bernhardt (1), Müller (1), Attaguile (1), Klinger (3/2), Brodatsch (3), Lücke, Schubert (1), Beiermeister, Schäfer, Hegendorf (4), Bosch, Bauer (2/1).

© 2015 Stuttgarter Zeitung | Lars Laucke, vom 18.05.2015